Pfingstpredigt 2013

Pastor Horst Uwe Kraupner

Pfingstmontag 2013 in Hasselgrund

Gottesdienst mit dem Vicelin-Posaunenchor

Gäste: Pastor Kretschmar und Gemeindeglieder der Klaus-Harms-Gemeinde

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde!
Schön ist es, wieder hier draußen zu sein zum Pfingstfest, zum Fest des Heiligen Geistes.
Schön, heute hier zusammen zu sein mit Menschen aus zwei Gemeinden,
schön, hier zu stehen vor dem geschmückten Altar,
schön, Gott zu loben auch mit den Klängen unseres Posaunenchors.
Wir wollen jetzt miteinander nachdenken über den Predigttext, der uns für diesen Pfingstmontag gegeben ist, aus dem Johannesevangelium aus dem 4. Kapitel.
Bevor ich ihn lese, muss ich ein wenig vom Zusammenhang erzählen.
Johannes malt uns eine Begegnung Jesu vor Augen mit einer Frau aus Samaria.
Die beiden begegnen einander an einem Brunnen.
Jesus bittet sie um Wasser. Darauf erwidert sie: Wieso willst du als Jude von mir, einer Samariterin, Wasser haben?
Gemeint ist: Ihr seid euch doch sonst viel zu gut, um von uns etwas anzunehmen.
Jesus kontert und stellt sich sogar als noch viel besser dar: Wenn du wüsstest, wer hier mit dir redet, dann würdest du ihn um Lebenswasser bitten, und ich würde dir geben, dass du für immer genug hast.
Sie versteht ihn –möglicherweise absichtlich – falsch: Für immer genug? – Mensch klasse! Dann werde ich nie mehr durstig und brauche nie wieder den weiten Weg zum Brunnen zu laufen? gib mir von deinem Wasser!
Jesus antwortet ihr darauf nicht direkt, sondern zeigt indirekt, dass es ihm nicht um Wasser, sondern um einen inneren Lebensquell geht.
Er fragt sie nach ihrem Mann und spricht damit das Thema von Lieben und Geliebt-Werden an. Und dann sagt er ihr auf den Kopf zu, dass sie bereits 5x verheiratet war und z.Zt. unehelich mit jemandem zusammenlebt.
Und dann schließt sich der heutige Predigttext an:
19 Die Frau spricht zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.
21 Jesus spricht zu ihr:
Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.
23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben.
24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
25 Spricht die Frau zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.
26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.
Liebe Gemeinde!
Wir haben heute Pfingsten, und für das Pfingstfest ist offenbar auch ganz bewusst dieser Abschnitt als Predigttext ausgewählt worden.
Denn es geht dabei darum, wo und wie uns Gott nahe ist:
Wo und wie können wir Zugang zu Gott haben?
Darum geht es.
Darum geht es beim Pfingstfest, und darum geht es auch in dem Gespräch dieser Frau mit Jesus.
Sie nutzt die scheinbar zufällige Begegnung mit ihm, um ihm genau diese Frage zu stellen:
Wo und wie bekommen wir einen guten Draht zu Gott?
Jesu erste Antwort ist:
Es ist kein bestimmter Ort nötig, kein Tempel, keine Heilige Stadt, kein Wallfahrtsort, sondern Gott ist überall.
Gott lässt sich überall anbeten.
Darum konnten Christen ja später auch überall Kirchen bauen,
nicht wie der Tempel der Juden in Jerusalem stand
oder später die Kaaba der Muslimen in Mekka.
Dem Christentum wohnt es von Anfang an inne, dass man Kirchen überall bauen kann.
Und nicht einmal auf die Kirchen sind wir angewiesen, sondern Gottesdienst lässt sich grundsätzlich überall feiern, so wie jetzt hier im Hasselgrund oder vor wenigen Wochen in Hamburg auf dem Fischmarkt, in der Hafencity und an vielen anderen Orten.
Gottesdienst feiern und beten geht überall, auch z.B. zuhause, etwa
• morgens, wenn der Tag beginnt,
• abends, wenn wir ihn hinter uns haben. Wir können morgens um Gottes gutes Geleit bitten und ihm abends danken – oder, wenn es nötig ist, auch einmal klagen über das, was nicht gelungen ist, und vielleicht auch um Vergebung bitten für das, was wir selbst falsch gemacht haben.
• Wir können auch zu den Mahlzeiten beten und uns ins Bewusstsein rufen, wie wenig selbstverständlich es ist, wenn wir satt werden; vielleicht hilft uns das, unsere Herzen zu öffnen für die vielen Menschen, die Not leiden in unserer Welt.
• Und wir können genauso gut zwischendurch beten; wenn es uns gut geht: ein kleines Dankeschön zum Himmel schicken, und wenn wir Sorgen haben: sie aussprechen und um Hilfe bitten.
Wir können überall beten, wir können überall Gottesdienst feiern.
Das war das Erste, was Jesus der Frau antwortete; es kommt nicht auf die Stätte, auf Jerusalem oder den Berg Garizim, an.
Doch dann ging es weiter:
Ihr wisst nichts von Gott, sondern das Heil kommt von den Juden.
Ich verstehe diesen Satz so, dass es keinen Sinn macht, über Gott einfach so vor sich hin zu philosophieren oder ihn irgendwo, und sei es auch: in der Natur, zu suchen, sondern wer Zugang zu Gott sucht, tut gut daran, sich an die Texte der Juden, also die Bibel, und dabei eben auch an den von den Christen später „Altes“ Testament genannten Teil zu halten.
Wir können überall zu Gott Kontakt aufnehmen, aber wir schaffen es nicht von uns heraus, indem wir uns Gedanken machen,
sondern nur, indem wir auf das achten, was er uns schon längst gesagt und mitgeteilt hat.
Wo und wie können wir also Zugang zu Gott haben?
Erstens: überall und zweitens: nur durch die Tradition der Bibel.
Und noch einen weiteren Gedanken fügt Jesus an, den Gedanken, der diesen Text ganz besonders mit dem Pfingstfest verbindet:
Jesus sagt:
Gott ist Geist, und wer zu ihm beten will, muss vom Geist der Wahrheit erfüllt sein.
Gott ist Geist, d.h. er ist nichts Gegenständliches, - auch wenn unsere Wünsche meist gegenständlich sind.
Nur allzu oft wünschen wir uns ja, Gott möchte doch bitte hier oder da einmal richtig handfest eingreifen – und immer wieder werden wir dabei enttäuscht. Gott lenkt diese Welt eben nicht so, wie wir es uns manchmal vorstellen, oder wie wir es gern hätten.
Bildlich gesprochen: Wenn ich zu schnell fahre, dann wird er nicht da sein und mir auf die Bremse treten.
Er wird höchstens da sein und mir in mein Gewissen sprechen.
Aber seine Warnung kann ich dann in den Wind schlagen – oder ich kann auch drauf hören. Das liegt bei mir. Ich selbst bin gefragt.
Manche sagen spöttisch: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.
Ich finde: wenn man einmal den spöttischen Unterton beiseitelässt, haben sie Recht!
Gott ist Geist, und er handelt in unserer Welt meistens auf geistliche Weise, das heißt: Das Umsetzen ins Real-Greifbare überlässt er oft uns. Wir sind gefragt, seinen Willen zu tun.
Darum nützt unser Beten oft nichts, wenn wir nicht bereit sind,
selber etwas zu tun.
So verstehe ich es, wenn Jesus sagt, dass wir vom Geist der Wahrheit erfüllt sein müssen: Unser Gebet soll wahrhaftig sein.
Wenn Gott aber nur einspringen soll, weil wir zu bequem oder vielleicht auch zu ängstlich sind, dann ist unser Gebet nicht wahrhaftig, sondern es ist etwas faul daran.
Um es überspitzt zu sagen:
„Ach, lieber Gott, ich hab jetzt keine Lust, mach du mal!“ – das hat keinen Zweck. Das funktioniert vielleicht zuhause, zwischen Eltern und Kindern, unter Ehepartnern, vielleicht auch im Beruf unter Kollegen: „Ich hab jetzt keine Lust, den Müll rauszubringen, mach du mal!“ Bei Gott dagegen funktioniert das Bitten und Beten nur, wenn es wahrhaftig ist, wenn das, worum ich bitte, auch wirklich mein echtes Anliegen ist.
Bring mal den Müll raus – da ist es zwar irgendwie auch mein Anliegen, dass der Müll raus kommt, aber mein eigentliches Anliegen ist, dass ich selbst es gerade nicht tun möchte.
Ähnlich ist es, wenn wir Gott um Frieden bitten, aber selbst nichts tun wollen für die Verständigung der Menschen und Völker.
Oder wenn wir ihn bitten, dass alle satt werden, aber selbst nichts abgeben wollen von unserem Reichtum.
Wo wir aber beten und zugleich auch selber etwas tun, da mag oft auch Gott uns helfen.
Sicher, ein Wunder, dass jedermann staunen muss, wird er wahrscheinlich auch dann nicht geschehen lassen, aber oft fügt er doch die Dinge so, dass sie auf scheinbar ganz natürliche Weise eben doch auf einmal wieder gut zusammenpassen.
„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ – Ja, ich glaube: er hilft wirklich. Aber eben nur dann, wenn unser Gebet wahrhaftig ist und wir bereit sind, uns auch selbst einzusetzen.
Wie ist es also mit Pfingsten, mit Gottes Geist, mit seiner Nähe und mit unserem Zugang zu ihm?
Die erste Antwort war: Wir können überall Zugang haben zu Gott.
Der zweite Hinweis kam hinzu: Wir erkennen Gott nicht ohne die alten jüdischen Traditionen, nicht ohne die Bibel.
Und nun war da das Dritte: Gott lässt sich nicht materiell greifen, sondern er ist Geist, und er steht uns nur in den Dingen bei, wo wir selbst wahrhaftig sind.
Und nun kommt zuletzt noch ein Viertes:
Die Frau sagt: Ja, ja, ich weiß Bescheid. Irgendwann kommt das alles – wenn der Messias kommt.
Und Jesus antwortet: »Er spricht mit dir; ich bin es.«
Das ist nun allerdings etwas ganz Besonderes: Hier sucht eine Frau nach dem Draht zu Gott, und der hat ihr bereits den Messias hingeschickt. Messias, das heißt wörtlich: der „Gesalbte“. Wir übersetzen auch oft: der „Heiland“, d.h. der, der das Heil bringt, der alles heil macht.
Wenn ich an diese Frau denke mit ihren kaputten Beziehungen: hier ist endlich mal einer, der ihr offen und ehrlich begegnet, der ihr ins Gesicht sagt, was andere immer nur hinter
ihrem Rücken weitertratschen. Hier ist einer, der sie nicht meidet und links liegen lässt, sondern der ihr die Wahrheit sagt – und doch zugleich ohne sie zu verurteilen. Er sucht nicht den Abstand, sondern die Nähe.
Er hat sie nicht abgeschrieben, sondern begegnet ihr geradezu liebevoll. Er will etwas von ihr, aber nicht „das Eine“, sondern ganz schlicht Wasser.
Ich denke, für diese Frau muss eine solche Begegnung schon etwas Besonderes gewesen sein, etwas Heilsames, tatsächlich, sozusagen indirekt in Jesus eine Begegnung mit Gott.
Wie steht es also mit dem Zugang zu Gott?
Ich glaube, auch für uns kann es eine Chance sein, in Jesus nach Gott zu suchen, in ihm für uns Gott zu entdecken.
In dem, wie er lebte, in den Traditionen, die er vertrat – und wie er sie vertrat – leuchtet etwas auf von Gott selbst. In Christus können wir Gott begegnen.
Und das nicht nur „irgendwann, wenn der Messias kommt“, sondern schon jetzt.
Das lag ja damals mit in der Begegnung der Frau mit Jesus, dass Gottes Nähe auf einmal nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern jetzt im Augenblick zu spüren war.
Und das feiern wir genau auch heute, zu Pfingsten:
Wenn Ostern hieß, dass Jesus lebendig ist, und Himmelfahrt, dass wir ihn aber trotzdem hier auf Erden nicht sehen und greifen können, dann soll uns Pfingsten sagen, dass er aber dennoch uns nicht fern ist, sondern so, wie er es von Gott gesagt hatte, ist er uns nun im Geiste nah, auch jetzt in diesem Augenblick und zu jeder Zeit.
Wie steht es mit unserer Religiosität, mit unserem Draht zu Gott?
Wo und wie können wir Kontakt zu ihm bekommen?
Erstens: Es geht überall,
zweitens: Wir erkennen ihn durch das Wort der Bibel,
drittens: Er begegnet uns hier normalerweise nie materiell,
sondern immer nur im Geiste
und auch das meist nur, wenn wir auch selber wahrhaftig sind, und viertens: Wo Gott uns begegnet, da geschieht es durch Jesus.
Er sagt uns die Wahrheit und wird durch seine Liebe zugleich
für uns heilsam.
Heute dürfen wir genau das feiern:
Gott lässt uns nicht allein, sondern er ist bei uns durch seinen Geist,
durch den Geist Jesu, den heilsamen Geist der Liebe.
Möge er auch bei uns seine Wirkung mit aller Kraft entfalten!
Amen.